“Ich blogge, also bin ich”

Astrid Schubert alias Mrs. Eastie betrachtet ihre Umwelt aus einer ganz speziellen Sicht: aus der einer Bloggerin. In ihrem Internettagebuch setzt sich die Mediendesignerin aus dem Leipziger Umland mit allerlei Themen rund um “den Osten” auseinander. Dass es dabei politisch wird, ist für sie selbstverständlich.

Auch nach Feierabend wird der Computer der Mediendesignerin Astrid aus Machern nicht direkt heruntergefahren. Denn wenn die Arbeit erledigt ist, haut die 39-Jährige nochmal privat in die Tasten. Seit einigen Jahren betreibt sie einen Blog. “2005 habe ich die Homepage ins Leben gerufen. So richtig losgelegt habe ich 2010. In dem Jahr wurde meine Tochter geboren und da hatte ich ein bisschen Zeit.”

Seitdem ist sie Mrs. Eastie – die ‘philanthropische Bloggerin’ aus dem Osten. “Mrs. Eastie sagt ja eigentlich schon, dass ich mich mit dem Osten identifiziere. Ich bin in der ehemaligen DDR aufgewachsen bis ich elf Jahre alt war, komme aus einem teilweise katholischen Elternhaus. Ich bin nicht so der Klischee-Ossi und habe meine ganz eigenen Ansichten.”

Stimmungen einfangen, Gedanken machen

Gesellschaftskritik – die zieht sich durch ihre Beiträge wie ein roter Faden. Das geht auch immer wieder ins Politische. Sie selbst verstehe sich als politikinteressiert, trotzdem sei sie parteiunabhängig. “Ich bin weder nach rechts geneigt noch nach links. Ich halte mich selbst für einen modernen und weltoffenen Menschen. Und ich hätte gern einige Dinge anders. Aber ich möchte auch niemandem irgendwas aufdrängen.” Die Stimmung im Land einfangen, Probleme benennen aber auch Lösungen finden – das ist Astrids Ziel.

Und so macht sie sich ihre Gedanken – gerade jetzt vor der Bundestagswahl. Wo setzen die Menschen ihre Kreuzchen oder auch gerade nicht? “Viele Leute fragen sich ja, warum Die Linke zur Bundestagswahl nicht so hoch kommt. Das ist so ein Thema. Ich glaube, dass hier im Osten viele einfach noch sehr skeptisch an die Sache herangehen. Die Inhalte sind ja gar nicht schlecht, finde ich. Aber die Skepsis ist groß, dass sie eine Nachfolgepartei der SED sind.”

Herzthemen: Bildung und Soziales

Für Astrid steht bereits fest, für wen sie am liebsten stimmen würde. Doch so eine Partei gibt’s noch gar nicht: “Was mir sehr am Herzen liegt, ist, dass die Grundschulzeit auf sechs Jahre festgelegt wird. Ich würde am liebsten eine Partei wählen, die das in ihrem Wahlprogramm hat. Weil ich finde, dass es sehr wichtig ist für einen Klassenverband, um soziale Kompetenzen mitzubekommen. Und man kann nach sechs Jahren eher entscheiden, ob man aufs Gymnasium gehen will, als in der vierten Klasse.“

Außerdem wichtig für die Mutter: Die Krankenversorgung  – auch in den ländlichen Gegenden von Sachsen – und mehr Personal in Krankenhäusern. Außerdem prangert sie Ungerechtigkeiten bei Hartz IV an. Von denen ist sie zwar nicht selbst betroffen, aber sie hatte in den letzten Jahren viel Kontakt mit Hartz-IV-Empfängern.

“Ich will Brücken bauen”

In der aktuellen Politik vermisse sie auch das Thema “Zukunft der Arbeit”. Wie soll es weitergehen in der digitalen Welt? Wie sieht der Arbeitsmarkt in zehn Jahren aus? “Hier werden Umwälzungen und neue Berufszweige auf uns zukommen. Politiker sollten nicht nur übers Geldsparen und den Flüchtlingszustrom reden. Im Moment bereitet niemand die Leute darauf vor, dass sich die Arbeitswelt drastisch ändern wird.”

Auch wenn die 40 Jahre alte Bloggerin vieles ändern möchte: In die Politik zu gehen, ist für Astrid keine Option. “Die Politik hat zwar auf unser Leben einen unheimlichen Einfluss, aber ich habe keine Bindung zu einer Partei. Ich müsste etwas Eigenes gründen. Mit geht’s in erster Linie darum, dass Probleme gesehen werden. Und ich will Brücken bauen.”

Text: Katharina Pritzkow
Bild: Astrid Schubert

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