Was twittern die Parteien?

Am Dienstag (19. September) tauchte ein neues Hashtag in unserer Liste der meistverwendeten Hashtags zur Bundestagswahl auf und erklärt die Bundestagswahl zu #Schicksalswahl. Wir haben uns darum einmal angesehen, welche Inhalte die Parteien in Sachsen und bundesweit bei Twitter verbreiten.

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Erklärung: Unsere Tabelle zeigt die zehn am häufigsten verwendeten Tweets rund um die Bundestagswahl. Diese mussten entweder eine der Parteien, den Wahlhashtag #BTW17 oder die Spitzenkandidaten erwähnen. Auf diese Weise kamen am Dienstag (19. September) 217.211 Tweets zusammen. Die Prozentangaben berechnen wir mittlerweile in Relation zu allen analysierten Tweets. Davon haben z.B. 3.137 das Hashtag #Schicksalswahl enthalten, was einem Gesamtanteil von 1,4 Prozent entspricht.


#Schicksalswahl ist ein neues Hashtag, das von AfD-Sympathisanten verwendet wird und prompt in unsere Liste der meistbenutzten Hashtags rund um die Bundestagswahl auftaucht. Ein Grund für uns, mal etwas genauer nach den Aktivitäten der Parteien bei Twitter zu schauen. Wie aktiv sind sie und welche Inhalte verbreiten sie auf diesem Weg?

Die Linke.

Die Linke in Sachsen hat mit über 5.000 die meisten Follower aller Landesparteien und seit 2009 fast 10.000 Tweets versendet. Im aktuellen Wahlkampf sind das vor allem Hinweise auf Wahlkampfveranstaltungen in Sachsen. Auch auf regionale Themen wie die Preise des öffentlichen Nahverkehrs in Leipzig wird eingegangen. Ansonsten liegt der Schwerpunkt auf den klassischen Themen der Linken: Soziale Gerechtigkeit und Abrüstung.

Die Bundespartei, ebenfalls seit 2009 auf Twitter aktiv, verfügt über 204.000 Follower. Auch hier stehen die sozialen Themen im Fokus. Der Schwerpunkt liegt aber noch stärker auf den Äußerungen und Interviews der beiden Spitzenkandidaten der Linken, Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch, zu denen häufig Zitattafeln erstellt werden, die so von Anhängern leicht verbreitet werden können. Außerdem werden die Tweets prominenter Linken-Politiker durch den Account retweetet und populärer gemacht.

FDP

Auf knapp 3.000 Follower und knapp 1.500 Tweets bringt es die FDP Sachsen und begleitet ebenfalls die Wahlkampfaktivitäten im Land. Der Umfang ist aber weitaus geringer als bei der Linken. Ansonsten liegt der Fokus klar auf Spitzenkandidat Christian Lindner, von dem reichlich Zitate getwittert werden. Außerdem wird der ein oder andere Medienbericht retweetet, der sich mit der FDP beschäftigt. In aktuelle Debatten wird sich aber sowohl beim Kanal der Landes- als auch dem der Bundes-FDP nur selten eingemischt. Auch dort bekommen die immerhin 250.000 Follower aber viele Hinweise auf Interviews und Auftritte von Christian Lindner. Außerdem gibt es – wie bei der Linken – viele Bilder mit kurzen FDP-Slogans zum weiterverbreiten.

Bündnis 90/Die Grünen

Die Grünen in Sachsen kommen wie die FDP auf knapp 3.000 Follower und bisher knapp 6.700 Tweets. Hingewiesen wird hier unter anderem auf Wahlkampfauftritte der Spitzenkandidaten in Sachsen. Auch regionale Themen wie die Forderung nach einem Fernverkehrsanschluss für Chemnitz werden thematisiert. Außerdem natürlich Kernthemen der Grünen wie Klimapolitik, Tierwohl und Elektromobilität.

Die Bundespartei ist Vorreiter bei Twitter und war als einzige schon 2008 dabei. Mit über 360.000 haben sie auch mehr Follower als jede andere Partei Deutschlands. Für diese retweeten die Grünen jede Menge Interviews und Äußerungen von Grünen-Politikern, aber auch Zeitungsberichte über die Grünen und über Umwelt- und Tierschutzthemen. Auch die Grünen legen Wert auf leicht teilbare Inhalte mit kurzen, prägnanten Botschaften.

SPD

Dem Kanal der sächsischen SPD folgen über 2.200 Twitterer und bekommen größtenteils Inhalte der Bundes-SPD, von SPD-Politikern aus Sachsen, der Parteizeitung Vorwärts und andere Medieninhalten mit SPD-Bezug retweetet. Bei der Auswahl dieser Inhalte ist ein gelegentlicher Fokus auf ostdeutsche Themen erkennbar. Auch die Bundes-SPD retweetet für die 326.000 Follower gerne und viel. Der Fokus liegt dabei, neben der allgemeinen Begleitung des Kanzlerkandidaten Martin Schulz, auf aktuell diskutierten Themen wie der Pflege, dem Breitbandausbau oder dem Dieselskandal. An leicht teilbaren Inhalten mangelt es aber, häufig wird nur mit Text oder Fotos von Veranstaltungen gearbeitet.

AfD

Ein wenig unmotiviert wirkt der Twitter-Kanal der AfD-Sachsen, der immerhin über 2.100 Follower besitzt. Auch hier wird auf Auftritte von Spitzenkandidaten in Sachsen und aktuelle Zeitungsberichte hingewiesen. Meist werden aber lediglich Links zur eigenen Facebook-Seite getwittert. Sehr viel geschickter, auch im Hinblick auf die Weiterverbreitung der Inhalte, stellt sich da die Bundespartei an. Immerhin gut 77.000 Follower bekommen jede Menge plakative Bilder zum retweeten präsentiert. Der Inhaltliche Schwerpunkt liegt natürlich auf dem Thema Flüchtlinge und der Kritik an der Kanzlerin, sehr oft werden aber auch einfach Veranstaltungshinweise mit AfD-Politikern retweetet. Und: Das Hashtag #Schicksalswahl ist in den Tweets der Partei nicht zu finden.

CDU

Die sächsische CDU ist als einzige der sechs großen Parteien nicht bei Twitter aktiv. Der Kanal der CDU Deutschlands hat 225.000 Follower und kommt sehr stimmig daher. Vieles folgt dem Design, das sich die Partei für den Wahlkampf bei der Werbeagentur Jung von Matt eingekauft hat. Von vielen Äußerungen prominenter CDU-Politiker gibt es Zitattafeln und auch zu aktuellen Debatten gibt es Bilder mit den Positionen der Partei zu diesem Thema. Retweetet wird sehr wenig, größtenteils Tweets von der CSU, der Jungen Union oder den Pressesprechern der Partei.

Text: Alexander Eckstein
Grafik: MDR SACHSEN

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