“ES WAR ABZUSEHEN” – DIE REAKTIONEN NACH DER WAHL

Die Wahl ist vorbei – ihr Echo aber noch lange nicht. Vor der Abstimmung am Sonntag haben wir verschiedene Menschen aus ganz Sachsen gefragt, was sie sich von der Wahl erhoffen, wen sie wählen und was sie von der Politik nach der Wahl erwarten. Mittlerweile sind alle Stimmen ausgezählt und wir haben sie noch einmal besucht. Wir wollten wissen, was das Ergebnis für sie bedeutet und was sie sich von einer neuen Regierung versprechen. Hier sind ihre Antworten.

Cornelia Hennek (Betreiberin der “Service Station“ in Mittweida):

“Das war eigentlich zu erwarten. Wir sind ja hier in Sachsen immer ein bisschen die Vorreiter. Ich bin schon zufrieden, jetzt müssen sich alle ein bisschen einen Kopf machen. Ich hoffe, dass da jetzt irgendeine Reaktion folgt, sonst wird das Lager rechts noch stärker. Die oben sollten schon das machen, was die große Masse will und nicht nur auf die Wirtschaft hören. Wenn sich alle ein bisschen aufeinander zubewegen, dann könnte es ein bisschen anders werden.”


Ines Eckstein (Friseurmeisterin aus Dippoldiswalde):

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Bild: Johann Feldmann

“Dass die AfD nicht zu unterschätzen ist, dachte ich mir. Dass sie so viele Stimmen bekommt, hat mich überrascht. Trotzdem treten in Sachsen 79% und speziell in Dippoldiswalde 63% der Menschen für Demokratie, für Menschlichkeit und Mitgefühl ein und haben, kurz gesagt, ihr Herz am rechten Fleck. Unsere Politiker, egal welcher Partei, müssen endlich wieder ankommen beim Volk, zuhören, für ihre Bedürfnisse da sein und ihre Probleme lösen. Vorwiegend die Kommunal- und Landespolitik muss nachvollziehbarer für die Menschen werden. Es sollte wieder für und mit den Menschen regiert werden. Weniger Bürokratie, schnellere und effektiver Entscheidungen, sowie selbständige Kommunalpolitiker, die wirklich unkompliziert Entscheidungen treffen, werden gebraucht. Ich werde nicht aufhören für Menschlichkeit, Miteinander und Gerechtigkeit zu kämpfen, auch unter erschwerten Bedingungen.”


Ines Haferkorn (Cafébetreiberin aus Mittweida):

“Zufrieden bin ich damit nicht, aber es war abzusehen. Das ist eine große Herausforderung. Nicht wie man sich das gewünscht hätte, aber ich hoffe, dass wir auch aus dieser Erfahrung lernen können. Viele von unseren Gesprächspartnern hier in Mittweida waren auch sehr überrascht. Ich erwarte jetzt von der Politik, dass sie ihre Schwammigkeit aufgibt und Nägel mit Köpfen macht. Ich hoffe, dass sie nicht nur reden. Und ich wünsche mir, dass unser schönes Sachsen nicht als Dunkeldeutschland dargestellt wird.”


Helmut Wünsche (Rundfunkmechaniker aus Rochlitz):

“Wenn ich sehe, wie so eine Wahl ausgeht, dann ist die größte Enttäuschung für mich, dass die AfD so eine hohe Prozentzahl hatte an Wählern. Für mich ist Nationalismus das Schlimmste. Ich habe meinen Vater und meine Heimat verloren – für mich ist dieses System das fruchtbarste, was es gegeben hat. Deswegen ist für mich das Grundkonzept dieser Partei  – trotz einiger guter Ideen – nicht sauber für eine Demokratie. Ich bin der Auffassung, dass man die Situation in den Griff bekommt. Aber nur mit großem Aufwand.”


Dirk Harzendorf (Landwirt aus Lunzenau):

“Die Wahl war spannend – und man fühlt sich befriedigt. Was die Parteien jetzt machen, müssen wir abwarten. Ich habe das geahnt, dass die AfD sehr viele Stimmen holen wird. Die Leute sind mit der Regierung und der großen Koalition einfach nicht mehr zufrieden. Weil die nicht bei der Bevölkerung sind. Die Parteien denken jetzt ein bisschen darüber nach, warum sie die Stimmen verloren haben. Man kann nämlich nicht nur Abgeordneter sein, Geld kassieren und die Bevölkerung mit ihren Problemen im Stich lassen.”


Susanne Dagen (Buchhändlerin aus Dresden-Loschwitz):

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Bild: Sven Döring

“Für mich ist das Wahlergebnis keine Überraschung. Allerdings hätte ich mir eher eine Diskussion über das schlechte Abschneiden von CDU und SPD gewünscht, als dieses unwürdige Lamentieren zum Ergebnis der AfD. Auf personelle Konsequenzen werde ich wohl noch lange warten müssen. Der Wähler-Auftrag ist in meinen Augen sonnenklar: Abwahl von Merkel und der großen Koalition!”


Katrin Eick (gelernte Malerin aus Leipzig):

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Bild: Johanna Kelch

“Dass die AfD so viele Stimmen holt, überrascht mich nicht. Auch dass Frauke Petry später ihr eigenes Süppchen kocht, war fast vorhersehbar. Enttäuscht bin ich nicht von dem Ergebnis. Ich bin nur enttäuscht davon, wie nun damit umgegangen wird. Von allen Seiten heißt es nun: Nur die Ossis hätten die AfD gewählt. Das ist ja so nicht richtig. Trotzdem muss ich in Richtung dieser Wähler sagen: Es hätte auch andere Wege gegeben, als die AfD zu wählen. Hinterher habe ich mir dann gedacht: “Und dieser Sauhaufen soll unser Deutschland zurück holen?” Mmh. Die Politiker regieren alle am Menschen vorbei. Es geht gar nicht mehr um uns. Vielleicht sollten die alle mal einen Monat Hartz-IV beziehen, damit sie wissen, wie sich das anfühlt.”

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