ZUFRIEDENHEIT UND ANGST – DAS SAGEN DIE MITTWEIDAER ZUM WAHLERGEBNIS

Seit über einem Monat ist die MDR Wahlzone nun in Mittweida. Aus der Kleinstadt im Herzen Sachsens berichten wir von den Sorgen, Wünschen und Hoffnungen der Menschen im Zusammenhang mit der Bundestagswahl. Mittlerweile ist die Wahl Geschichte. Wir haben Mittweidaer gefragt, was sie vom Wahlergebnis halten. Und sie haben offen geantwortet.
Das Ergebnis ist nicht repräsentativ.

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Herr Schulz, Rentner: “Ich bin zufrieden mit dem Wahlergebnis. Es musste mal sein, es musste ein Dämpfer kommen. Die Parteien mussten mitbekommen, dass sie etwas anders machen müssen. Es gibt so viele Probleme, wie zum Beispiel die Rente, bei denen man bisher weggehört hat. Für die Landtagswahl kommt es darauf an, wie die Regierung nun reagiert. Frau Merkel meinte letztens: “Ich sehe nicht, was wir anders machen sollten.“ Sie hat noch nicht begriffen, dass etwas geändert werden muss.“

Caroline, Studentin: “Ich finde das Wahlergebnis nicht so cool, also eigentlich ziemlich Scheiße. Die AfD hat mehr Stimmen als ich mir erhofft hätte. Ich hätte mir gewünscht, dass die Grünen die drittstärkste Partei sind. Es ist erschreckend, dass die AfD so stark gewählt wurde. Zur Landtagswahl habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. An sich bin ich zufrieden.“

Christian, Student: “Das Ding bei der AfD ist, ob die AfD-Anhänger wirklich Anhänger sind oder nur aus Protest gegenüber den anderen Parteien die AfD gewählt haben. Diese Protestwähler sind wohl mit dem System an sich nicht zufrieden. Diese Leute sollten als Statement lieber DIE PARTEI wählen. Für die Landtagswahl hoffe ich, dass die AfD nicht so stark sein wird. Aber man soll immer positiv sein. 13 Prozent für die AfD finde ich zu hoch, aber da es Sachsen ist, ist es halt ziemlich schwierig. Ich hoffe, dass die AfD nicht die Landesregierung mit stellt.“

Tim, Mediengestalter & Musiker: “In gewisser Weise war ja die Befürchtung, dass die AfD so viele Prozentpunkte bekommen wird. Es ist erstaunlich, dass alle großen Parteien so viele Prozentpunkte verloren haben. Ich habe gehofft, dass die AfD nicht zweistellig wird. Ich bin enttäuscht, dass Diskussion und Selbstreflexion ein bisschen verloren gehen bei uns. Ich wünsche mir für die Zukunft eine klarere Linie und auf keinen Fall ein Schlechtreden von Andersdenkenden. Ich bin der Meinung, dass das größte Problem ist, dass nicht mit diesen Leuten geredet wird. Teilweise ist es auch so, dass sie nicht mit einem reden wollen. Ich wünsche mir mehr Diskussion. Speziell in Sachsen besteht Bedarf, Dinge aufzuklären. Ich würde mir das weniger von der Politik wünschen, sondern von allen, dass da so ein bisschen ein Umdenken stattfindet und alle etwas ändern.“

Wolfgang, Rentner: “Ich bin nicht überrascht vom Wahlergebnis. Das war in etwa so zu erwarten. Dass die große Koalition insgesamt so viel Miese macht, war vielleicht überraschend, aber die Verhältnisse waren nichts groß Neues. Wir wissen ja noch nicht, wie es sich entwickelt. Wer mit wem koaliert, steht noch nicht fest. Die SPD soll ja gesagt haben: “Die Tür ist nicht nur zugeschlagen, sie ist verschlossen.“ Mal sehen, wie es wird. Die müssen viel diskutieren.“

Frau Lippold, Einzelhändlerin: “Ich finde es gut, dass die SPD in die Opposition geht und hoffe, dass sie jetzt mal wieder unsere soziale Mitte findet. Für den Mittelstand ist viel zu wenig getan worden. Es muss etwas für die Kinder und die Schulen getan werden. In der ländlichen Region sind alle Schulen geschlossen. Auch die Ausstattung, zum Beispiel Computer, steht hinten an. Bildung und Schulessen könnte für unsere Kinder kostenlos sein bei dem Wohlstand.“

Herr Voigt, Einzelhändler: “Die Wahlbeteiligung ist sehr hoch im Moment. Wir haben jetzt über 76 Prozent Wahlbeteiligung. Ich finde gut, dass so viele Leute wählen gehen, egal was sie wählen. Es hat sich jetzt einiges verändert, aber ich finde es gut, dass es mehr Parteien im Bundestag gibt. Ich persönlich würde mir wünschen, dass in Mittweida mal zwei Straßen gebaut werden. Das höre ich im Geschäft von den Leuten, dass sie das beschäftigt. Ansonsten bin ich eigentlich zufrieden.“

Theresa, Studentin: “Das Wahlergebnis war nicht so überraschend, trotzdem war es vielleicht schockierend, obwohl es sich angebahnt hat, aber dennoch enttäuschend. Es ist nicht toll, dass jetzt eine rechtsextreme Partei im Bundestag sitzt. Aber es gibt wohl doch eine große Menge an Menschen in Deutschland, die sich nicht durch die bisherigen Parteien im Bundestag bisher vertreten gefühlt haben. Ich glaube, es ist wichtig, sich nicht Angst machen zu lassen. Und dass man sich vielleicht ein bisschen mehr anstrengen muss und vielleicht mehr zusammenarbeitet, um einen Gegenpol zu bilden. Die Schlagzeile “AfD ist stärkste Partei in Sachsen” hat mir Angst gemacht hinsichtlich der Landtagswahl. Man kann nur hoffen, dass sie sich ein bisschen selbst zerstört. Vielleicht zeigt das jetzt im Bundestag ja, dass sie keine richtigen Ziele haben. Ich glaube der wichtigste Schritt, den nicht nur die Politik machen kann, sondern alle Menschen in Deutschland, ist, auch diese Rechten wieder zu integrieren. Man soll nicht den Dialog verlieren und diese Leute sich selbst überlassen. Man sollte eine Annäherung anstreben und keine gesellschaftliche Spaltung zulassen.“

Text: Enrico Gerstmann/Benjamin Jakob
Bild: dpa

Donnerstag, 28.09.2017, 17:00 Uhr, Wahlzone live bei Facebook: http://www.mdr.de/mediathek/livestreams/mdr-plus/eventlivestreamzweiww-402.html

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